Haben christliche Feiertage noch eine Botschaft?

Der folgende Artikel enthält einen kleinen Teil meiner ganz persönlichen Sichtweise und Interpretation zu Ostern und anderen christlichen Feiertagen. Dem muss man nicht folgen!

Haben christliche Feiertage heute noch eine Botschaft für uns?

Ostern steht vor der Tür und in naher Zukunft stehen mit Pfingsten und Himmelfahrt noch weitere christliche Feiertage aus. Ich frage mich, wie weit haben diese Feiertage noch Einfluss auf uns? Oder sind sie vielleicht vollkommen unwichtig geworden und wir könnten sie eigentlich abschaffen? Die Wirtschaft wäre froh darum. Sie sieht diese Tage als kostenintensiv, weil unproduktiv, an.

Aber geht es nur (noch) darum? Vielleicht sind diese Feiertage viel mehr als willkommene freie Tage in einer hektischen Welt voller Druck vielfältigster Art? Geht es dabei nicht um mehr als um christliche Symbole, die wir als antiquiert und überholt sehen?

Wenn wir die Bedeutung anschauen, dann sind gerade diese Feiertage voller Freude und Verheißung. Sie verbinden uns mit unserer Sehnsucht nach Frieden und Ruhe und Geborgenheit, Sicherheit. Ich denke auch, dass wir die Erlaubnis haben, die Symbolik des Christlichen in unsere modernere spirituelle Sprache und Symbolik zu übersetzen.

Denn christlich/ biblisch heisst für mich nicht auch gleichzeitig kirchlich. Das mag heutzutage zu einem Begriff verschmolzen sein, aber was wir Menschen zusammengefügt haben, können wir auch wieder trennen und neu zusammenfügen. Die Begriffe „Spiritualität, spirituell“ helfen mir dabei: Sie sind jenseits von Kirche und Dogma angesiedelt und respektieren die Einheit der Wege, trotz ihrer unterschiedlichen Formen. Letztendlich gehen wir alle in die selbe Richtung.

Und so ist Ostern mit Tod und Auferstehung für mich die Verheißung, dass, wenn das Ich stirbt, das Nicht-ich weiterlebt: Energie geht nie verloren, sie wandelt nur die Form. Wir wandeln uns vom formvollen, körperlichen Menschen zurück in die geistige Information, ins reine Bewusstsein, woraus wir entstanden sind. Hier erkenne ich auch die Idee des Buddhismus „aus anfangloser Zeit“ wieder.

Durch Buddha und Jesus haben wir zwei Menschen, die diesen Weg auf ihre Weise bereits gegangen sind und diese Erfahrungen wurden und werden an uns weitergegeben, so dass wir ihnen folgen können.

Der am Kreuz gestorbene Jesus kehrt zurück zur Quelle allen Seins und wird zum Christus, dem Erleuchteten. Das Körperliche stirbt, das Geistig-Seelische bleibt lebendig. Der Tod ist überwunden auf dieser Ebene.

Das ist für mich auch die Bedeutung des „Erlösen unserer Sünden“. Die „Sünde“ ist für mich die Unwissenheit und das Vergessen von der eigentlichen Einheit des Göttlichen und dem Menschen oder, erweitert, dem Leben.

Buddha musste nicht am Kreuz sterben und kehrte auch nicht zu einem Gott zurück. Er war zu Lebzeiten erwacht und wusste um die Transformation, die möglich ist, wenn man erkennt, dass das Körperliche nur eine (andere) Form des reinen klaren Bewusstseins ist. Er hatte erkannt, dass zwischen Form und Bewusstsein in Wahrheit kein Unterschied ist. Sie existieren sozusagen gleichzeitig, nebeneinander. Man muss es nur noch erkennen. Das kann manchmal etwas dauern – muss aber nicht.

Ich persönlich nutze das Wort Sünde nicht. Für mich gibt es auch keinen zornigen und strafenden Gott. Das macht mir keinen Sinn. Gott muss man nicht fürchten. Denn wenn das Göttliche und wir eins sind, dann müssten wir uns ja vor uns selbst fürchten. Wo dieses Denken hinführt, sehen wir tagtäglich auf dieser Welt: Wir fürchten uns vor uns selbst und bekämpfen uns selbst. Wir bekämpfen dadurch auch einander, denn wir projizieren unsere Furcht auf andere.

Ist es dann nicht viel sinnvoller diesen Angstgedanken endlich gegen einen liebevollen und friedvollen Gedanken zu ersetzen und die „Erlösung“, die liebende Güte, das Mitgefühl und die Freude anzunehmen und zu leben? Gemäß dem Motto Gandhis: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“

Die Energie folgt dem Fokus: Verändern wir den Fokus vom gemordeten Jesus hin zum auferstandenen Christus, dann werden wir selbst mehr zu dem, was wir uns wünschen für diese Welt: Weniger Angst, mehr glückliche und friedvolle Zukunft. Und dann nutzen wir unsere Fähigkeiten dazu, diese Zukunft zu erreichen. Denn „willst Du die Welt verändern, fang bei Dir selbst an“. Veränderst Du Dich, dann veränderst Du automatisch die Welt mit – sagt die Quantenphysik. Keiner steht für sich, alles ist miteinander verbunden.

Auch das ist für mich die Botschaft von Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt: Da wir eins sind mit dem göttlichen Kern in uns, erinnern uns diese Feiertage an unseren wahren Zustand: Wir folgen der `Religio´, beziehen uns auf unsere innere Wahrheit zurück. Denn in unserem tiefsten Inneren kennen wir nichts anderes als Frieden und Verbundenheit. Die Feiertage geben uns die Möglichkeit dieser Rückbesinnung.

Und das Feiern dieser Wahrheit können wir dann, neu erfüllt, weiterhin jeden Tag tun – ob in Gruppen oder allein: z. B. durch Meditation, oder Gebet, oder Yoga, oder in der Natur, und vieles mehr.

 

Copyright: Stephanie v. Haldenwang März 2018
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